
Wohl eines der meisterwarteten Rollenspiele des Jahres im Test !!!
Wer Rollenspiele kennt, kennt Gothic. Wer Gothic kennt, weiß um seine farbenfrohe Geschichte, seinen Werdegang, seine Erfolge, seine Probleme. Für den (vermutlich rein theoretischen) Quereinsteiger daher nur in aller Kürze zusammengefasst: neuer Entwickler, neuer Held, (teilweise) neue Geschichte – los geht‘s ...
Gothic hat wahrlich schöne und atemberaubende Momente parat.
Das Spiel beginnt mit einer Rendersequenz, die vor allem Leute, die das Gothic III Add-on Götterdämmerung (verständlicherweise) ausgelassen haben, auf Stand bringt. Der namenlose Held, unser Hauptcharakter in den bisherigen drei Teilen und den beiden Add-ons, ist gar nicht mehr namenlos. Als König Rohbar III. herrscht er inzwischen über Myrtana und hat auch den Rest des Kontinents wieder unter einem Banner vereint. Doch in letzter Zeit verhält sich der ursprünglich wohlwollende König seltsam, will noch mehr Krieg führen und richtet seine Augen auf die noch uneroberten südlichen Inseln ... Ortswechsel: Auf der kleinen (im Süden gelegenen ...) Insel Feshyr träumt ein junger Schafhirte von großen Taten. In der Rolle des Königs stürmt er durch düstere Höhlen und erledigt böse Dämonen, bis ihn sein Freundin (und heimliche Verlobte) Ivy weckt. Wieder in der Realität schnappt sich der serientypisch Namenlose seinen Hirtenstab und macht sich auf um bei Ivys Vater endlich um die Hand seiner Angebeteten anzuhalten. Der stellt uns nacheinander drei Aufgaben, bevor wir seinen Segen erhalten – willkommen zum Tutorial!
Wer jemals Gothic, Risen, oder ein anderes vergleichbares Rollenspiel gespielt hat, findet sich aber auch so schnell zurecht. Nah- und Fernkampfwaffen, sowie diverse Hilfsmittel (Nahrung, Verbände, Tränke, usw.) und später auch Zauber können den Zahlentasten 0-9 zugewiesen werden. Angegriffen wird mit der linken, geblockt mit der rechten Maustaste. Bei gedrückter rechter Maustaste löst eine Richtungsbewegung eine elegante Ausweichrolle aus. Die Kämpfe gehen gut von der Hand, die ersten Spielstunden kann man seine Gegner auch auf den mittleren bis höheren Schwierigkeitsgraden mühelos totklicken. Theoretisch sollte ein Ausdauerbalken und ein Kombo-System aber genau das verhindern, in der Praxis sieht es dennoch anders aus. Wirklich belasten tun den Ausdauerbalken nämlich nur diverse Spezialangriffe, die aber nicht unbedingt nötig sind und entsprechend selten verwendet werden. Das Kombo-System hingegen sollte Spieler motivieren ihre Schläge genau zu timen, damit mächtige Schlagkombinationen ausgeführt werden – einfaches regelmäßiges Klicken löst aber von ganz alleine die eine oder andere Schlagfolge aus. Erledigte Gegner bringen XP und können natürlich geplündert werden. Eine Minimap und (nur auf kurze Distanz) sichtbare Navigationsmarker gab es in Gothic nie und wem dieses neues Feature „feig“ erscheint, kann es auch abdrehen.
Grafisch gefällt der Titel vom ersten Augenblick an. Besonders Landschaften und Vegetationen sind teilweise atemberaubend. Die Charaktermodelle sind detailiert, viele NPC-Basismodelle werden aber gerne mehrfach verwendet und weibliche Wesen sind zwar vorhanden, wirken aber alle platt und unattraktiv. Außerdem zeigt sich ArcaniA ausgesprochen hardwarehungrig und besonders im letzten Viertel – über das wir aus anderen Gründen später noch ausführlich reden werden – ist die Optimierung suboptimal und die Framerate nimmt noch einmal bedrohlich ab.
Nach einem Levelausfstieg habt ihr die Qual der Wahl, wo ihr die Skillpunkte verteilen wollt.
Spätestens beim ersten Level-Aufstieg wird alten Hasen schließlich klar, dass man fast alle klassischen Rollenspiel-Elemente von Gothic zurückgefahren hat. Grundattribute werden nicht mehr gesondert gesteigert und auch Lehrpunkte und Skills gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es für jeden Levelaufstieg bis zum (leicht erreichbaren) Maximum auf Stufe 30 drei Fähigkeitspunkte. Diese können in eine von acht Fertigkeiten investiert werden, was Schritt für Schritt den entsprechenden Balken füllt. Die einzelnen Schritte bringen meist nur ein paar Prozent Steigerung in der jeweiligen Sparte, erreicht man allerdings eines der in Abständen platzierten Schilde gibt es eine zusätzliche Fähigkeit oder einen anderen besonderen Bonus. Punkte in Kampfgeist und Disziplin kommen dabei vor allem Nahkämpfern zugute, von Präzision und Heimlichkeit profitieren hingegen Fernkämpfer udn Vitalität erklärt sich wohl von selbst. Heimlichkeit schaltet übrigens auch die Möglichkeit zu schleichen frei, eine Fähigkeit die wir allerdings im ganzen Spiel nicht einmal benötigt haben. Das Knacken von Schlössern hingegen ist diesmal kein zu erlernender Skill, man bekommt einfach irgendwann einen Dietrich geschenkt und kann ab sofort (fast) alle Truhen via einem einfachen und unendlich wiederholbaren Mini-Game knacken.
Fehlen noch die drei Magiefähigkeiten Inbrunst (Feuer), Gleichmut (Eis) und Dominanz (Blitz), diese machen gleichzeitig die einzigen drei Zaubersprüche des Spiels aus. Schaden machen alle, Feuer brennt aber noch etwas nach, Eis verlangsamt und Blitz lähmt das Ziel kurzfristig. Investiert man genug Punkte kann man die Sprüche auch aufladen. Dann machen sie mehr Schaden oder treffen gleich mehrere Ziele, brauchen aber auch mehr Mana. Abgesehen vom Anlegen unterschiedlicher Ausrüstungsgegenstände hat man sonst keine Möglichkeiten die Fähigkeiten und Attribute seines Charakters zu verändern. Einzig die Runensteine sollten noch erwähnt werden. Diese beliebig oft verwendbaren seltenen Artefakte geben nach unterschiedlich langer Ladezeit kurzfristige Boni, wie zum Beispiel schnellere Bewegung oder mehr Kampfkraft auf Kosten der Verteidigung.